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Übersicht

Sinn und Zweck:

„Ventilmanagement? Was ist das?“ so ähnlich lautete mein erster Kommentar zu dem Stichwort "Valve-Drill". Für mich war es damals praktisch unvorstellbar die eigenen Ventile erreichen und betätigen zu können. Ich hatte zwar schon davon gehört, nur zeigen konnte es mir nie einer...

Damit wären wir auch schon beim Thema, bzw. dem Sinn und Zweck. Diese Übung trainiert das Erreichen der eigenen Ventile und zwar in jeder Situation – somit kann sie als die wichtigste Übung definiert werden. Wer diese Übung beherrscht gewinnt ein großes Stück an Unabhängigkeit unter Wasser. Und es sollte zur Angewohnheit werden, diese Übung vor jedem Tauchgang durchzuführen um so sicherzustellen, dass die Ausrüstung einwandfrei erreichbar und vorbereitet ist.

Anwendungsbereich:

Der Anwendungsbereich braucht nicht extra erläutert zu werden, jedem sollte sofort klar sein welche Tragweite das sichere Bedienen der Ventile hat. Diese Übung – dieses Prozedere - kann unter Umständen lebensrettend sein und ich bin mir sicher, dass bereits schwerste Unfälle zu bedauern sind, weil diese Übung nicht beherrscht wurde. Daher kann ich nur jedem, egal ob Tecki oder Sporttaucher, dringend empfehlen diese Übung vor jedem Tauchgang zu absolvieren.

Voraussetzungen:

Natürlich muss die Doppelflasche mit zwei Automaten und den entsprechenden Schlauchlängen bestückt sein. Jedoch kann diese Übung auch von jedem Sporttaucher trainiert werden. Oberstes Ziel ist es dabei, alle Ventile des Rückengerätes vollständig zu öffnen und vollständig zu schließen. Leider werden diese Übungen nur von den wenigsten Tauchverbänden geschult, so dass oft auch Anpassungen der Ausrüstung erforderlich werden um die Übung überhaupt durchführen zu können. Ich persönlich finde diese Tatsache erschreckend – es ist mir ehrlich gesagt unbegreiflich wie renommierte Tauchorganisationen dieses existentielle Thema einfach weg diskutieren und das auch noch mit dem Rundum-Argument: „Brauch' ich nicht, dafür habe ich meinen Tauchpartner“. All diesen Leuten die dieses Argument (vielleicht sogar beim Lesen dieses Textes) anwenden wollen, kann ich nur empfehlen das Unfallforum im taucher.net zu studieren. Hier spiegelt sich das Argument des "rettenden Tauchpartner" in der Anzahl von schweren Verletztungen und beinahe Katastrophen wider. Immer wieder wird von tragischen, sogar tödlichen Unfällen berichtet, deren Ursprung in einem abblasendem Automat lagen – so etwas darf einfach nicht passieren und ist zu tiefst zu bedauern!

Übungsbeschreibung:

Die nachfolgenden Zeilen lesen sich komplizierter als sie eigentlich sind. Ist man einmal im Wasser und will diese Übung durchführen hilft der Leitsatz:

  1. Von Rechts nach Links durcharbeiten, dabei immer prüfen ob auf dem jeweils anderem Automat der volle Druck ansteht
  2. Mehr muss eigentlich nicht beachtet werden – alles andere kommt fast automatisch. Bitte daran denken, dass wenn Ventile geschlossen werden die Lampe dazu verwendet wird ein Notsignal zu geben. Beim öffnen der Ventile braucht dieses Signal nicht gegeben werden. Im Prinzip soll dem Taucher antrainiert werden, dass er die Lampe im Notfall auch tatsächlich so früh wie möglich nutzt.

Eines noch, was diese Übung extrem vereinfacht; der Taucher muss eine horizontale Lage einnehmen, damit das Gewicht der Flaschen nicht die Ventile nach unten ziehen kann. Muss der Taucher an den Flaschen rütteln, oder diese sogar nach oben schieben, stimmt die Konfiguration bzw. die Wasserlage nicht! Die Ventile müssen einfach erreichbar sein. Schmerzhafte Verrenkungen sind ebenfalls ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt.

Auch hier habe ich wieder eine Einteilung in verschiedene Schritte vorgenommen. Insgesamt sind handelt es sich um sieben Schritte.

Schritt 1: Horizontal austarieren & Valve Drill beim Partner "anmelden"

Um die Übung zum Erfolg zu führen, ist eines gleich zu Beginn Kriegs-Entscheidend - der Taucher muss ruhig und sauber austariert sein; Hektik ist hier fehl ab Platz! Ändert sich während der Übung die Wassertiefe muss dies über die Atmung ausgeglichen werden. Um während der Übung die Position halten zu können, wird ein Punkt unter Wasser fixiert, der während der gesamten Übung nicht mehr aus den Augen gelassen wird. Die Übung sollte in einer Tiefe von drei bis fünf Metern erfolgen, nicht tiefer. Hat sich Ruhe und eine perfekte Wasserlage eingestellt, wird der Tauchpartner darüber informiert, dass der Übungsstart unmittelbar bevor steht. Dazu zeigt der Taucher zuerst auf sich selber und deutet mit seinen Fingern an, dass er die Ventile schließen will. Erst wenn der Partner mit einem OK bestätigt hat, wird zu Schritt 2 übergegangen.

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Schritt 2 (optional): Der Bubble Check

Zu allererst sollte die Übung mit dem so genannten "Bubble Check" beginnen. Dieses Prozedere stellt sicher, dass die Ventile, Schlauchverbindungen und Automaten dicht sind und Atemgas nicht unbemerkt entweicht. Der Bubble Check an sich ist äußerst einfach. Die Taucher stellen sich horizontal gegenüber, der erste Taucher signalisiert seinem Tauchpartner das Bubble Check Zeichen und kippt ein wenig nach vorne, dadurch erhält der Tauchpartner einen freien Blick auf alle Ventile des Rückengerätes seines Tauchpartners. Hält der nach vorne gebeugte Taucher kurz seinen Atem an, kann der beobachtende Tauchpartner sofort eine Undichtigkeit erkennen (schließlich perlt dort Atemgas aus). Stellen die Taucher keine Undichtigkeit fest, wird zu Schritt 3 übergegangen.

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Schritt 3: Ventil des Hauptautomaten schließen

Bevor das Ventil des Hauptautomaten geschlossen wird, muss überprüft werden ob der Backup, auf den dann gewechselt werden soll, bereits unter Druck steht. Dazu reicht ein kurzes betätigen der Luftdusche des Backupreglers. Die aufsteigenden Luftblasen signalisieren die Betriebsbereitschaft. Nach dem die Funktion des Backup überprüft wurde, wird das Ventil des Hauptautomaten mit der rechten Hand geschlossen. Die Drehrichtung ist automatisch vorgegeben, weil das Ventil bereits an Land vollständig bis zum Anschlag geöffnet wurde. Während des Schließvorganges wird mit der eingeschalteten Lampe ein Notsignal abgesetzt. Ist das Ventil geschlossen wird der Hauptautomat vollständig leer geatmet und die Übung bei Schritt 4 fortgesetzt.

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Schritt 4: Wechsel auf Backup und öffnen des Ventils für den Hauptautomaten

Daher der Backup vorher getestet wurde, kann er nun beruhigt verwendet werden. Bei dem Einsatz einer Lampe ist darauf zu achten, dass der Tauchpartner nicht geblendet wird. Während aus dem Backup geatmet wird, wird der Hauptregler in den rechten D-Ring eingeklickt. Jetzt wird erneut mit der rechten Hand zum Ventilrad des Hauptautomaten gegriffen um dieses wieder zu öffnen. Das Ventil wird bis zum "Anschlag" geöffnet und nur minimalst zurückgedreht. Die Verwendung der Luftdusche stellt sicher, dass der Hauptregler wieder einsatzbereit ist. Erst jetzt wird der Hauptautomat wieder ausgeklickt und gegen den Backupregler ausgetauscht.

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Schritt 5: Brücke schließen und wieder öffnen

Nun wird erneut mit der rechten Hand in Richtung Ventile gegriffen, dieses Mal wird das Ventilrad der Brücke bedient. Während des Schließens wird wieder mit der Lampe ein Notsignal gegeben. Nach dem erneutem Öffnen bleibt die Brücke während des gesamten Tauchgangs geöffnet!

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Schritt 6: Ventil des Backup Automaten schließen und wieder öffnen

Der Taucher wechselt die Lampe von Links nach Recht und greift mit seiner linken Hand zum Ventilrad des Backupautomaten und beginnt das Ventil zu schließen, auch hier wird wieder ein Notsignal abgegeben. Der Hauptregler wird dabei völlig normal weiter geatmet. Nachdem das Backup Ventil geschlossen wurde, wird der Automat durch das betätigen der Luftdusche vollständig entlüftet. Im Anschluss daran wird das Backup Ventil wieder geöffnet. Ein kurzes betätigen der Luftdusche gibt die Sicherheit, dass der Backup Regler wieder betriebsbereit ist.

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Schritt 7(optional): Prüfen aller Ventile & kurzer Fini-Check

Der letzte Schritt besteht darin, zu überprüfen ob alle Ventile korrekt geöffnet sind, dazu wird jedes Ventil kurz geprüft, zuerst der Hauptregler, dann die Brücke und zum Abschluss das Backup-Ventil. Ein abschließender Blick auf das Fini bestätigt, dass ausreichend Gas zur Verfügung steht und der Tauchgang kann beginnen...

Besonderheiten:

Bei hypoxischen Atemgemischen, also Atemgemische die an der Wasseroberfläche nicht atembar sind, kann der Bubble Check auch bereits an der Wasseroberfläche durchgeführt werden. Dazu drückt man die Brücke des Tauchpartners unter Wasser (dieser sollte sich in einer Rückenlage befinden) und beobachtet ob irgendwo Atemgas entweicht.

Das Erreichen der Ventile ist übrigens nicht nur mit einer "Tecki" Ausrüstung möglich. Nachfolgendes Foto zeigt eine normale Sporttauchausrüstung - bei der die Ventile erreichbar sind... und zwar mit Trocki!

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Kurz und bündig:

und dass alles bei einer horizontalen Lage im Wasser...

Viel Spaß beim Üben...

Kommentare

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Anmerkung:

Bereits erfolgte Kommentare:

Wilke Reints, 20.06.2010 - 17:31 Uhr
Hallo Thomas, kein Fehler deiner seits, Regler leeren und wieder in Betrieb nehmen,
sollten tatsächlich ein paar Milliliter in den Regler fließen, werden die
über den Mitteldruch wieder rausgedrückt. LG Wilke

thomas.thurnher@gmail.com, 17.05.2010 - 14:12 Uhr
letzes Mal hatte ich Wasser in meinem Backupautomaten - ist es sinnvoll den
Backupregler wirklich leerzumachen - dann dringt doch Wasser ein? Wenn man das
Brückenventil schließt und dann das Backupventil - könnte am Fini der
Druckabgleich kontrolliert werden, ohne den Regler ganz entlasten zu müssen - dann
kann kein Wasser eindringen - oder wo liegt mein Fehler? Gruß Thomas