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deco on the fly – Deko im Kopf rechnen?

Sicher ein spannendes und zugleich fast schon mystisches Thema und damit ideal geeignet um sich von der Masse abzuheben. Und das liebt der „Otto-Normal-Tekki“ ungemein. Wie sonst kann man sich besser präsentieren als mit dem Satz „ich rechne meine Deko im Kopf aus“? Unter den Unwissenden erzeugt eine solche Aussage erstmal Respekt – und das ist doch die Hauptsache...

Gut; aber das soll nicht das Thema dieses Berichtes sein. Ich will in diesen "Mythos" etwas mehr Transparenz bringen und versuche mit einfachen Worten zu erklären, wie die Dekompressionsstopps „ im Kopf“ durchgerechnet werden können.

Grundsätzlich muss zwischen zwei Regeln unterschieden werden. Die erste Regel konzentriert sich auf Tauchgänge im 45m Bereich, die Zweite regelt das Austauchen aus ca. 66m. Beide Regeln sind in Nuancen unterschiedlich, haben aber auch folgende Gemeinsamkeiten:

Die 80% Grenze ist eine auf Erfahrung basierende Größe, speziell die WKPP geht davon aus, dass eine Sättigung des Tauchers bei den üblichen Techtauchgängen nie vollständig erreicht wird. Somit können bis zu der 80% Grenze schnelle Aufstiege, auch mit hohem Helium Anteil, durchgeführt werden. Ab der 80% Marke wird mit 3m/min ausgetaucht, auf diese Art und Weise passt sich der Körper schonend an kontinuierlich abnehmende Tiefe an.

Tauchgänge um die 45m mit 21/35 und einem 50% Nitrox als Dekogas Tauchgänge „um“ die 45m?

Was soll denn das heißen? Ganz einfach, die Regel basiert auf einer so genannten Referenztiefe und diese beträgt eben 45m. Und genau in diesem Fall gilt die Regel, dass die Dekozeit identisch mit der Grundzeit des Tauchgangs ist. Wenn man so will eine 1:1 Beziehung zwischen der durchzuführenden Dekozeit und der bereits erfolgten Grundzeit.

Wird tiefer getaucht, erhöht sich die Dekozeit, wird flacher getaucht verringert sich die Dekompressionszeit. Hier ist der Ansatz ebenfalls sehr einfach - je 3m tiefer werden 5Min. Dekozeit addiert. Wobei 3m flacher ein Abziehen von 5Min. Dekozeit erlauben. Um immer in dem „Dreierraster“ zu bleiben, wird entsprechend zur sicheren Seite gerundet.

Beispiele:

20 Minuten @ 45 Meter

Die Dekozeit beträgt in diesem Fall genau 20min. (auf welchen Tiefenstufen diese 20min. Dekozeit durchzuführen sind folgt später).

20 Minuten @ 47 Meter

Zu den 20 Minuten Grundzeit werden 5 weitere Minuten addiert, also in Summe 25Min. Deko

20 Minuten @ 42 Meter

Zu den 20 Minuten Grundzeit werden 5 Minuten subtrahiert, also in Summe 15Min. Deko

20 Minuten @ 52 Meter

Zu den 20 Minuten Grundzeit werden 15 Minuten addiert (45, 48, 51, 54), also in Summe 35Min. Deko

Daher jetzt klar ist wie lange die Dekompressionsphase dauern wird, muss nur noch geklärt werden, auf welchen Tiefen diese Zeit verbracht werden soll. Dazu folgende Vorgehensweise:

Es gibt tiefe und flache Stopps. Die Tiefen befinden sich auf 21, 18, 15, 12 und 9 Meter, während die Flachen sich auf 6 und 3 Meter befinden. Die Kunst besteht nun darin die Dekozeiten möglichst ideal auf die Stopps zu verteilen, wobei bei den 3m und 6m Stopps die Verteilung 2/3 auf 6m und 1/3 auf 3m erfolgt.

Auch dies ist sehr einfach. Zunächst wird die zu erwartende Gesamtdekozeit durch 2 geteilt, das Ergebnis wird anschließend auf die tiefen und flachen Stopps verteilt. Alles klar? Nein? Gut, dann besser noch ein Beispiel.

24min @ 45Meter

Dies bedeutet eine Gesamtdekozeit von 24min. Der Wert 24 wird durch zwei geteilt und auf die tiefen und flachen Stopps verteilt. Somit entfallen 12 Minuten auf die Stopps von 21 bis 9 Meter und die anderen 12 Minuten auf die flachen Stopps von 6 bis 3 Meter, wobei die Aufteilung der flachen Stopps wie folgt durchgeführt wird:

25 Minuten @ 51 Meter

Gesamtdekozeit: 25 + 5 + 5 = 35 Minuten

Zeit für Stopps zwischen 21 und 9 Meter: 35 Minuten durch zwei teilen also 17,5 Minuten (aufgerundet 18 Minuten)

Zeit für Stopps zwischen 6 und 3 Meter: 35 Minuten durch zwei teilen also ebenfalls 17,5 Minuten (aufgerundet 18 Minuten)

Wenn jetzt geklärt ist wie viel Zeit auf den tiefen und flachen Stopps zu verbringen ist, muss noch festgelegt werden, wie diese Minuten auf die einzelnen Tiefen aufgeteilt werden. An dieser Stelle könnte man es sich sehr leicht machen und die Minuten einfach linear verteilen, also bei 10 Minuten auf den tiefen Stopps würde das bedeuten, dass auf den Tiefen 21, 18, 15, 12 und 9 Meter je 2 Minuten verbracht werden und entsprechend für die flachen Stopps das Gleiche.

Die Lösung ist allerdings suboptimal! Jeder weiß, dass sich die Dekompression nicht linear verhält, sondern einer typischen e-Funktion folgt, konkret für unseren Anwendungsfall bedeutet dies, dass die Dekostopps in den flacheren Regionen länger dauern sollten als in den Tieferen. Was vielleicht weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass sich die positiven Effekte des „Sauerstofffensters“ erst nach ca. 3min. eintreten. Dies ist in etwa die Adaptionszeit die der Körper benötigt um die Wirkung des Dekogases voll entfalten zu können. Daher werden bei den hohen Sauerstoff-Partialdrücken, insbesondere auf dem 21m und 6m Stop, immer mindestens 3-5 Minuten verbracht – und zwar unabhängig von der gerechneten Dekozeit.

Grundsätzlich wird versucht den O2 Partialdruck so hoch wie möglich zu halten (ppO2 max = 1,6bar), aus diesem Grund spielen sich die letzten Stufen der Dekompression auch im 6m Bereich ab. Speziell bei einer Dekompression mit reinem Sauerstoff kann dieser Effekt genutzt werden. In unserem Fall haben wir jedoch ein 50er Nitrox als Dekogas dabei und verbringen die Dekozeit zu 2/3 auf der 6m Stufe. 1/3 der Restdekozeit erfolgt auf der 3m Stufe, danach wird in echten 1m/min aufgetaucht.

Bezogen auf unseren Tauchgang könnte sich damit folgendes Profil einstellen:

Dieses Profil sieht gut aus und enthält ausreichend Reserven. Somit sollte klar sein wie für Tauchgänge um ca. 45m mit einem 21/35 und einem 50er Nitrox die Dekompressionszeit im Kopf ausgerechnet werden kann.

Hoffe es hat etwas Licht ins Dunkle gebracht...

 

Kommentare

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Bereits erfolgte Kommentare:

Wilke, 27.07.2014 - 18:34 Uhr
Einfach den normalen Bühlmann Tabellen folgen, bzw. deinem Tauchcomputer vertrauen.
In diesen Bereichen sind die Modelle sehr gut validiert und du kannst den Emfehlungen
folgen. LG Wilke

Ralf, 26.07.2014 - 20:16 Uhr
Hallo Wilke, wie berechnet ihr denn z.B.: die Deko bei einem TG auf 30 Meter? Angenommen
man hat eine Grunzeit von 35 Minuten auf 30 Meter, wie würde die Berechnung der Deko
dann aussehen? LG Ralf

Wilke , 09.04.2014 - 09:17 Uhr
Hallo Joachim, ja, die 6m sind \"korrekt\", die Idee ist, dass man das O2
Fenster max. ausnutzen möchte. Auf 3m wird nur eine verhältnismäßig
kurze Zeit (1/3) verbracht. Wenn du das so umsetzt, dann denke bitte an die Breaks. Bei 6m
beglückt sich ein ppO2 von 1,6bar, was in der Theorie nach 45min. Einwirkzeit zum O2
Krampf führt. LG Wilke

Joachim , 23.03.2014 - 14:32 Uhr
Hallo Wilke,zu DOTF für 45m habe ich mal eine Frage : Bist Du sicher, dass die
flachen Stops länger auf 6m als auf 3m sein sollen ? Letzten Endes ist ja DOTF eine
Methode, sich Tabellen zu merken; bei jeder Tabelle die ich kenne sind die 3m Stops aber
länger als die 6m Stops ( die e-Funktion, wie Du selber schreibst ). Ich habe Deine
DOTF Rechnung mal mit dem V-Planner verglichen. Bis auf die \"vertauschten\"
6m/3m Dauern kommt das in etwa mit VPM-B bei Konservativität 0 hin. Dazu sollte man
noch sagen, dass diese VPM Variante sehr aggressiv ist. Ich würde nach 45m/30\' keine
30 Minuten Deko brauchen sondern ca. 45. Nicht falsch verstehen, ich will´s nicht
besser wissen, nur verstehen ! LG Joachim

Wilke, 09.09.2013 - 08:46 Uhr
Hallo Alex, die Atemgase sind obligatorisch und müssen unter den o.g. Bedingungen
eingesetzt werden, ansonsten passt das mit der Deko leider nicht mehr. Bitte keine
großzügigen Interpretationen starten... LG Wilke

Alex, 04.09.2013 - 15:20 Uhr
Hallo Wilke, DOTF sieht ein Standardgemisch für das Bottomgas vor und ein 50er- ab
21m und 100er-Gemisch ab 6m vor. Sind die Dekogase obligatorisch für die Berechnung?
Anders: Ändern sich die Dekozeiten wenn ich nur eines der Gemische mithabe? Was
passiert, wenn ich während des TG ein Dekogas verliere(Regler/Ventil defekt
o.ä.)? LG Alex

Ralf, 12.09.2012 - 15:53 Uhr
Hallo Wilke, Deco on the Fly ist schon eine klasse Sache, sollte aber nur von schon
erfahreren Tauchern angewendet werden zumal in dieser Rechnng weder Luftverbrauch noch
Flaschengröße und deren Fülldrücke zum tragen kommen.

Dirk, 05.09.2012 - 15:02 Uhr
Klar kann man auch die Tech 1 Regel zusätzlich mit O2 Tauchen, der letzte Stopp, also
6m ist dann zu ca. 1/3 kürzer, das war´s. Ganz einfach: also statt 20 min-dann
halt mit O2 ca. 14 min. LG Dirk

Yorn, 11.11.2011 - 08:13 Uhr
Hallo Wilke, warum wird bei der Tech 1 Regel bis 3m kalkuliert und bei der Tech 2 Regel
\"nur\" noch bis 6m ? Wenn man davon ausgeht, dass der ppO2 Druck
möglichst hoch sein sollte, wäre es doch besser das 50er Dekogas möglichst
\"tief\" zu nutzen. Oder andersherum gefragt: Warum nicht auch bei diesen
Tauchgängen 505 und 100% Sauerstoff nutzen ? VG Yorn

wilke, 02.02.2011 - 18:13 Uhr
hallo, die abstiegszeit ist auch in diesem fall in der grundzeit enthalten, kalkulatorisch
mit 10m/min. lg wilke

Constantin, 13.01.2011 - 09:48 Uhr
Hallo, danke für das Licht in diesem trüben Mysterium. Was mir noch nicht klar
ist, ist die Frage, ob die Abstiegszeit bei dieser Rechnung in der Grundzeit enthalten
ist, oder nicht? VG Constantin

NN, 02.11.2010 - 21:57 Uhr
Vielen Dank für diese ausführliche Beschreibung. Ich hab ein Buch gelesen in dem
das Thema \"Intuitive Decompression\" angesprochen, aber nicht näher
erklärt wurde. Einfach und gut! :) Für Florian: Luft und das 21/35 haben eins
gemeinsam, das sind die 21% O2 und 79% Inertgase. Heißt also das man davon ausgehen
kann das die Decompression zumindest ähnlich abläuft. Aber über Deine
Tauchtiefe mit Pressluft solltest Du Dir evtl Gedanken machen, da in Deinem Fall die
Narkose das schlimmere Problem darstellt. Nur so, meiner Meinung nach... Lg NN

Arno, 10.07.2010 - 15:48 Uhr
Allererst entschuldiging für mein slechtes Deutsch. Deco-on-the-Fly ist nur für
sogenannte standard gasen bestimmt. 21/35 ist ein standard gas, wie zb auch 18/45 für
tiefere tauchgangen. Pressluft und DOTF gehen nicht zusammen, benutze wie Wilke sagt ein
computer zum durchrechnen des stoppes.

Wilke Reints, 20.06.2010 - 17:26 Uhr
Hallo Tom, die Regel wurde für 21/35 aufgestellt. Einige wenden sie auch für
Pressluft-TG an, empfehlen würde ich es aber nicht... Liebe Grüße Wilke

Tom, 19.06.2010 - 16:36 Uhr
Hi Wilke, eine sehr gute und informative Homepage!!!! Gibt es denn ein Deko on the Fly
für Pressluft? Zum Beispiel 40m; 30 Min Grundzeit; Gase 21ger und 50%
Nitrox Beste Grüße Tom

Wilke Reints, 04.05.2010 - 18:09 Uhr
Hallo Florian, die Berechnungen sind nur für die im Text genannten Gasmischungen
zulässig. Mein Rat wäre es sich an diese zu halten und das Experimentieren
anderen zu überlassen. Wenn Du Dir nicht sicher bist, dann kannst Du
selbstverständlich auch auf einen Computer (mit all seinen Vor- und Nachteilen)
zurückgreifen. Die pure Existenz dieser Regeln verpflichtet nicht zur
ausschließlichen Anwendung ;-) Liebe Grüße Wilke

Florian Pirschle, 02.05.2010 - 22:13 Uhr
Hi Wilke! Vorweg: Super Homepage!! Ich tauche selber (noch) kein Trimix, sondern nur
Pressluft aufm Rücken und EAN50 bzw EAN80 oder 100% O2 in den Stages. Meine
Tauchgänge liegen idR zwischen 40 und 60 Metern bei 10 bis 25 Minuten
Grundzeit... Weißt du ob es auch hierfür eine \"Deko on the fly\"
gibt? die obrigen Beispiele beziehen sich ja vermutlich nur auf das genannte normoxische
Gasgemisch... Grüßle aus Ulm, Flo

Wilke Reints, 04.04.2010 - 17:26 Uhr
Tatsächlich! Die Dekozeiten sind in der Tat recht sportlich, ich habe die Werte
entsprechend des Profils von 25Min. auf 51m angepasst. Liebe Grüße Wilke

Hanko Spitznas, 31.03.2010 - 16:54 Uhr
Hallo Wilke, bin neu in der Materie Deco on the fly. (Habe noch nicht mal den
Normoxic). Ich kann die letzte Rechnung nicht nachvollziehen. 18 Minuten bei den
tiefen Stops. Selbst wenn ich die Aufstiegszeit mit 3 m/min von 21 bis 9 rechne, komme
ich nur auf 17 Minuten. 18 Minuten bei den flachen Stops. Selbst wenn ich die
Aufstiegszeit mit 3 m/min von 6 bis 0 rechne, komme ich nur auf 17 Minuten. Gut
Luft Hanko

Lars, 12.03.2010 - 11:53 Uhr
Lieber Wilke, so wie ich dich bisher kennengelernt habe, hätte mich ein
\"böser Wille\" auch gewundert und auch großartig zu unterscheiden
hätte mich gewundert. Aber du wirst es selber wissen, bei vielen DIR\'lern oder auch
Nicht-DIR\'lern gibt es für die Gegenseite teilweise heftige Animositäteten,
wenn auch völlig unbegründet. Ich weiß nun Beschei, bin dir auch in
keinster Weise böse das du es nicht veröffentlicht hast. Ich hab dir ja
schließlich auch das copyright überlassen. Solltest du mal in der
KölnBonner Gegend sein, oder vielleicht Christie Himmelfahrt in Hemmoor (da bin ich
dann dort) kannst du dich ja mal melden. Liebe GRüße Lars

Wilke Reints, 11.03.2010 - 12:05 Uhr
Lieber Lars, ich habe noch nie zwischen \"DIRler\" und
\"nichtDIRler\" unterschieden, auch nicht in Deinem Fall - Warum auch?. Generell
habe ich erkannt, dass Ausführungen in einem Word Dokument keinen wesentlichen
Vorteil für Taucher darstellen, daher habe ich mich von der Idee ein separates
Dokument zu veröffentlichen distanziert. Es ist aber auch richtig, dass ich Dich
darüber nicht informiert habe, hoffe aber, dass Du jetzt erkannt hast, dass hier kein
\"böser Wille\" o.ä. vorliegt. Liebe Grüße Wilke

Lars, 10.03.2010 - 14:52 Uhr
Hallo Wilke, ich find das ja schon doll. Da willst du erst das ich dir eine Kurzanleitung
bastel und es herrscht reger Mailverkehr und plötzlich ist Totenstille...und das nur
weil ich kein eingefleischter DIR\'ler bin, sodern vielleicht grad mal auf dem Weg
dorthin? Ich könnte mir vorstellen, dass du auch mal klein angefangen hast. Naja wie
dem auch sein, über eine Reaktion deinerseits würd ich mich schon freuen, ich
denke ja nicht, dass du so über allen Dingen stehst. Gruß Lars

Wilke Reints, 06.03.2010 - 14:05 Uhr
Viel Spaß beim Schreiben der Kommentare